| DIE GESCHICHTE DES DEUTSCHEN FILMPREISES 49 Jahre Deutscher Filmpreis wo soll man anfangen zu erzählen, wo aufhören? Die Liste der Preisträger beinhaltet fast alles, was das Deutsche Nachkriegskino an Stars hervorgebracht hat. Und anstelle von Zahlen und Fakten stehen eingangs erst einmal ein paar Namen, die für sich sprechen. Leinwand frei also für einen kleinen Ausschnitt der preisgekrönten Stars von gestern und heute: Heinz Rühmann, Bernhard Wicki, Gustaf Gründgens, Lilli Palmer, Martin Held, Erich Kästner, Marlene Dietrich, Helmut Käutner, Therese Giehse, Rainer Werner Fassbinder oder Romy Schneider verstorbene Künstler, die Filmgeschichte schrieben. Andere mit dem Filmpreis Ausgezeichnete hat es nach Amerika gezogen, wo sie in Hollywood eine zweite große Karriere aufgebaut haben: Michael Ballhaus, Wolfgang Petersen, Armin Mueller-Stahl, Wim Wenders, Nastassja Kinski, Maximilian Schell, Barbara Sukowa - um nur einige zu nennen. Dann gibt es da die "alten Hasen" des Filmgeschäfts, die zum Teil seit mehr als 30 Jahren und länger dabei sind, und die damals wie heute Maßstäbe setzen mit ihren Filmen und eindrucksvollen Dar-stellungen: die Regisseure und Produzenten Volker Schlöndorff, Peter Schamoni, Alexander Kluge, Johannes Schaaf, Hans W. Geissendörfer, Werner Herzog, Margarethe von Trotta und Bernd Eichinger sowie die Schauspieler Mario Adorf, Götz George, Horst Buchholz, Nadja Tiller und Hanna Schygulla. Und nicht zu vergessen die Stars von heute: Katja Riemann, Joachim Król, Martina Gedeck, Klaus-Maria Brandauer, Moritz Bleibtreu, Maria Schrader, Heinz Hoenig und Regisseure wie Sönke Wortmann, Helmut Dietl und Tom Tykwer. Sie zählen zu den prominentesten Preisträgern der letzten zehn Jahre. Genug der Namen jetzt zu den Fakten. Der seit 1951 verliehene Deutsche Filmpreis ist das Kernstück der Filmförderung der Bundes-regierung bis 1998 dem Innenminister, seit 1999 Staatsminister Dr. Michael Naumann, dem Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, zugeordnet. Die Auszeichnung wird auf Vorschlag der Kommission Deutscher Film-preis für Spielfilme, Dokumentationen und hervorragende Einzel-leistungen vergeben (siehe KATEGORIEN & PRÄMIEN). Der Deutsche Filmpreis hat neben seinem Charakter als Aus-zeichnung für herausragende Leistungen gleichzeitig eine unter-stützende Funktion: Dem Produzenten eines ausgezeichneten Filmes werden Preisgelder in erheblicher Höhe zugewendet, die für die Herstellung eines neuen Filmes zweckgebunden sind. Im Rahmen der Neu-Regelung des Deutschen Filmpreises im Februar 2000 wurde das Budget erneut aufgestockt, so daß in diesem Jahr Preisgelder (einschl. der Prämien für die Nominierungen) in Höhe von 5,36 Millionen Mark zur Verfügung stehen. Die Trophäe ist der höchstdotierte deutsche Kulturpreis. Angefangen hat alles 1951 mit einem einzigen Spielfilm: "Das Doppelte Lottchen". Der Kästner-Klassiker gewann damals in allen Kategorien, die es überhaupt gab: "Bester abendfüllender Spielfilm", "Beste Regie" (Josef von Baky) und "Bestes Drehbuch" (Erich Kästner). In den kommenden Jahren und Jahrzehnten wechselten die verschiedenen Kategorien, neue kamen hinzu, andere hielten sich nur wenige Jahre. Zum Beispiel der Preis für einen "Film, der für die europäische Idee wirbt" wurde zwischen 1953 und 1957 genau dreimal vergeben. Besonderes Augenmerk legte man in den 50er Jahren beispielsweise auch auf "Filme, die zur Förderung des demokratischen Gedankens beitragen". In diese Sparte gehörte 1957 der mehrfach ausgezeichnete Käutner-Film "Der Hauptmann von Köpenick". Außerdem "Don Camillo und Peppone" (1953) und "Der 20. Juli" von Falk Harnack (1956). Ein einziges Mal wurde ein "Film mit besonders staatspolitischem Gehalt" mit einer Auszeichnungen bedacht: "Nachts, wenn der Teufel kam" mit Mario Adorf in der Rolle des Frauenmörders Bruno Lüdke. Der "Kulturfilm", seit Beginn des Deutschen Filmpreises eine feste Kategorie, wurde im Jahr 1967 zum letzten Mal vergeben. So, wie die Preise sich änderten, wandelte sich auch der deutsche Film. Waren die fünfziger Jahre noch bestimmt von Unterhaltungs- und Historienstoffen sowie Literaturverfilmungen (zum Beispiel "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull", "Ich denke oft an Piroschka", "Der Hauptmann von Köpenick", "Ludwig II.", "Anastasia, die letzte Zarentochter"), beherrschte in den sechziger Jahren zu-nehmend der "Neue Deutsche Film" das Geschehen. Wegbereiter dafür waren unter anderem "Der junge Törless" von Volker Schlön-dorff, "Es" von Ulrich Schamoni oder Alexander Kluges "Abschied von gestern". "Auffällig in den ersten Werken des Jungen Deutschen Films war das starke Interesse für die deutsche Geschichte, ins-besondere für die Vergangenheit des Nazi-Regimes. Ebenso wichtig war aber auch die Abbildung der bundesrepublikanischen Gegen-wart. Die Regisseure wollten nichts Fremdes übernehmen, sondern von dem erzählen, was sie selbst erlebt hatten." (Siehe Quelle 1.) Der sogenannte Autorenfilm war geboren, und zunehmend konnten deutsche Produktionen weltweite Reputation und in den siebziger Jahren sogar große internationale Festivalerfolge erringen. Einer, der für diese Epoche steht wie kaum ein anderer: der New-comer Rainer Werner Fassbinder. Von 1970 bis 1979 gewann er insgesamt sechsmal als Regisseur bzw. Drehbuchautor den Deutschen Filmpreis, zum Beispiel für "Katzelmacher", "Warum läuft Herr R. Amok?" und "Die Ehe der Maria Braun". Aber auch über Volker Schlöndorff schüttete sich in den siebziger Jahren ein wahrer Preisregen aus. Auszeichnungen für "Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach" (1971), "Fangschuß" (1977) und "Die Blechtrommel" (1979) belegen das eindrucksvoll. Wim Wenders wurde Mitte der siebziger Jahre das erste Mal mit dem Deutschen Filmpreis bedacht für "Falsche Bewegung" (1975) und gehört seither zu den Rekordhaltern unter den Preisträgern (viermal persönlich prämiert, zweimal wurden seine Filme ausgezeichnet). "Verglichen mit den 50er und 60er Jahren ist die Bedeutung des Kinos in den achtziger Jahren erheblich zurückgegangen. Der starke Rückgang erklärt sich vor allem durch veränderte Freizeit-gewohnheiten, insbesondere durch das Fernsehen, aber auch durch den Geburtenrückgang das Kino ist vor allem für die jüngere Generation attraktiv." (Siehe Quelle 2.) Die herausragenden Filme dieser Zeit waren u.a. "Das Boot" von Wolfgang Petersen, Margarethe von Trottas "Die bleierne Zeit", "Oberst Redl" von István Szabó, "Paris, Texas" und "Der Himmel über Berlin" von Wim Wenders, Doris Dörries Film "Männer", die international erfolgreiche Umberto-Eco-Verfilmung "Der Name der Rose", "Out of Rosenheim" von Percy Adlon und Joseph Vilsmaiers "Herbstmilch". Den endgültigen Durchbruch im deutschen Kino als einheimische Produktion schaffte 1995 Sönke Wortmanns "Der bewegte Mann", der mit sechseinhalb Millionen Zuschauern als einer der größten Publikumserfolge des deutschen Nachkriegsfilms gilt. Die Neunziger brachten eine neue Generation ans Ruder: Peter Sehr, Max Färberböck, Detlev Buck, Romuald Karmakar, Nico Hoffmann und Tom Tykwer, die in ihren Werken die ganze Bandbreite, von der Komödie (z.B. "Männerpension") über Historienfilme (z.B. "Kaspar Hauser") und Psychodramen (z.B. "Die tödliche Maria") bis hin zu Stoffen über die nationalsozialistische Vergangenheit (z.B. "Aimée & Jaguar"), anbieten. Man darf gespannt sein, was das neue Jahrtausend an Filmen und Machern für uns bereit hält. Neben der Ehre, mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet zu werden, stand und steht natürlich auch der finanzielle Aspekt. Und der ist beim höchstdotierten deutschen Kulturpreis nicht zu ver-achten. Zwischen 1951 und 1999 flossen mehr als 68,5 Millionen Mark an die mit Gold bzw. Silber ausgezeichneten Produktionen. Dazu kamen ca. 26,5 Millionen Mark, die bereits mit der Nominierung eines Filmes verbunden waren. Gewürdigte Einzelleistungen sind erst seit 1991 mit einem Preisgeld verbunden für sie betrug die Summe der Prämien bisher rund 1,5 Millionen Mark. Als Auszeichnungen der Kategorie "Bester Film" wurden seit 1951 das Filmband in Gold bzw. zwei Filmbänder in Silber verliehen; auf die höchste Auszeichnung, die Goldene Schale, wurde ab 1996 verzichtet, da sie 17 Jahre lang nicht vergeben worden war. Einzelleistungen wurden ebenfalls mit einem Filmband in Gold ge-würdigt. Seit 1999 gibt es eine neu gestaltete Statue - sie zeigt eine Art-Déco-Frauenfigur, umhüllt von dem traditionellen Filmband. Was bleibt noch zu sagen über 49 Jahre Deutscher Filmpreis? 49 Jahre lang Tränen der Freude, rührende Momente, Wut, Ärger und Enttäuschung, Rekorde, Erfolge und Niederlagen, Kassenschlager und Kassengifte, publikumsorientierte Filme und Außenseiter, Stars und Nachwuchs, jung und alt, einige Künstler sonnten sich nur kurz im Erfolg, andere begleiteten die Kinozuschauer über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg, aber sie alle leben in ihren Filmen weiter. Und am Ende steht die Erkenntnis: Kino ist doch die schönste Nebensache der Welt. Vorhang auf für den 50. Deutschen Filmpreis! Quellenangaben:
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