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Als unter regem Interesse der Öffentlichkeit am 23. August 1997 das neue Hotel Adlon eingeweiht wurde, war ein knappes Jahrhundert seit der Eröffnung seines legendären Vorgängers vergangen. Ein ereignisreiches Jahrhundert, das sich in der Geschichte des Adlon widerspiegelt. Eine Hotel-Geschichte, in der nunmehr auch 104 Leinwand-Jahre eine entscheidende Rolle spielen!
Nach der feierlichen Eröffnung am 23. Oktober 1907 durch Kaiser Wilhelm II. war das Adlon - benannt nach seinem Gründer Lorenz Adlon, der 115 Millionen Reichsmark für den Bau des Prachtgebäudes auftreiben mußte - nicht nur in aller Munde, sondern auch von Beginn an gut besucht: Das Auswärtige Amt nutzte das Hotel am Brandenburger Tor als inoffizielles Gästehaus, Angehörige des Adels residierten in den weitläufigen Suiten, und selbst der Kaiser zog das Adlon zeitweise seinen Gemächern vor. Doch erst in den 20er Jahren, als Lorenz` Sohn Louis die Leitung übernommen hatte, wurde der Grundstein zum legendären Ruf gelegt.
Unter seiner Führung wurde das Adlon mehr und mehr zum beliebten Treffpunkt von Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft - die Gästeliste reichte von Albert Einstein bis zu Theodore Roosevelt, von Buster Keaton, Hans Albers, Ernst Lubitsch, Billy Wilder und Heinrich George über Josephine Baker bis zu Edgar Wallace.
Hier war es auch, wo ab 1929 schon ein Pils gezapft wurde, wenn Emil Jannings nur in der Tür erschien. Wo die figurbewußte Marlene Dietrich, die ein paar Häuser weiter wohnte und im Hotel-Restaurant stets nur mageres Gegrilltes zu sich nahm, 1929 für ihre Rolle in "Der blaue Engel" entdeckt wurde. Wo Greta Garbo 1930 den Film "Menschen im Hotel" drehte. Wo man zur selben Zeit dem späteren Entertainer Peter Frankenfeld seinen Pagen-Job kündigte, weil er in der Küche an den Eisbomben für Reichspräsident Hindenburg genascht hatte. Wo Charly Chaplin 1931, nach der Berlin-Premiere von "Lichter der Großstadt", in der Drehtür fast seine Hose verlor, nachdem ihm stürmische Fans Unter den Linden alle Knöpfe abgerissen hatten. Wo Evelyn Künneckes Vater, der Operettenkom- ponist und Stammgast Eduard Künnecke, an der Bar saß und Melodien auf Menükarten niederschrieb. Wo der ausgebombte Emil Jannings in den 40ern eine Dauer-Suite bezog und im Hotelbunker manche Nacht bei Pralinen und Rotwein verbrachte...
Fast hätte das Hotel den Krieg unbeschadet überstanden, wenn nicht ein Brand in der Nacht vom 2. Auf den 3. Mai |
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1945 den Prachtbau bis auf einen Seitenflügel zerstört hätte.
Und selbst dieser kleine Flügel blieb dem Kino treu. Am 22. November 1945 fand dort eines der wichtigsten Treffen der deutschen Nachkriegs-Filmgeschichte statt: die vorbereitende Sitzung zur Gründung der DEFA. Unter den Teilnehmern: Wolfgang Staudte, Hans Fallada und Prof. Dr. Kurt Maetzig, Regisseur des DEFA-Klassikers "Ehe im Schatten" (1947). Zur selben Zeit entdeckten auch Bertold Brecht und Theo Lingen, der Brechts erste Frau Jutta Zoff geheiratet hatte, die Vorzüge des Hauses.
Ein Name aus der Vergangenheit jedoch überlebte alle längst verstorbenen Leinwand-Stars: Adlon. Parsifal "Percy" Adlon, geboren 1935 und Sohn aus erster Ehe von Hotelbesitzer Louis, machte in Hollywood Karriere als Regisseur. Nicht genug: Inzwischen drehte auch Percys Sohn Felix (geb. 1967) seinen ersten eigenen Film - "Abgeschmeckt". Bezeichnenderweise eine Komödie, in der vornehmlich gekocht wird. Womit der jüngste Sproß die Familientradition fortsetzt, erfand doch der Küchenchef seines Ururopas Lorenz, Auguste Escoffier, eigens für König Eduard VII. die sogenannte "Teufelssosse"!
Kein Wunder also, daß auch der Nomination Event, der bereits 1999 im Hotel Adlon stattfand, atmosphärisch und kulinarisch ganz im Zeichen des guten alten Geschmacks stehen wird.
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